Projekt 27_ Die Projekttage journalistisch begleiten

Schlagzeilen, Schnappschüsse und spannende Stories: Wenn Schüler zu Journalisten werden

Ein Gastbeitrag

Es ist warm im weitläufigen Informatikraum des zweiten Obergeschosses. Die Felder, die durch die Fensterfronten zu bewundern sind, wiegen sich sacht im Wind und zeichnen das Maifeld in Goldgelb. Es ist Sommer, wie auch der strahlend blaue Himmel beweisen möchte. Und Sommer, das bedeutet am Kurfürst-Balduin-Gymnasium: Zeit für die berühmte Projektwoche, eine Prestigeunternehmung der Münstermaifelder Schule. Somit haben sich an diesem Mittwochvormittag ganze 39 Schüler:innen der Jahrgangsstufen 5 bis 11 versammelt, um sich einem ganz besonderen Vorhaben zu widmen. Sie sitzen in einem großen Stuhlkreis, Notizblöcke und Tablets gezückt, gespannt auf die Instruktionen ihrer Lehrkräfte wartend. Denn Frau Schellen-Harings und Herr Peifer haben in der Tat einiges mit ihren Sprösslingen vor: Ihre Aufgabe wird es in diesem Jahr nämlich sein, die zahlreichen Projekte zu begleiten und journalistisch aufzubereiten.

Das ist alles andere als ein simples Unterfangen. Immerhin wollen in nur drei Schultagen 37 Projekte beobachtet und eingefangen werden, und diese könnten kaum facettenreicher sein. Ein Blick auf die lange Liste der angebotenen Aktivitäten dient gleichermaßen als Spiegel der Vielfalt des Gymnasiums. Eine Bestandsaufnahme: Hinter einer unscheinbaren Tür wird nicht weniger als ein Musikvideo produziert. Hydrogen for Future experimentiert für die Rettung des Klimas. Andere begeben sich hinaus, um für einen eigenen Reiseführer zu recherchieren, während im F-Bau eine Rockband probt. Es wird genäht, gerechnet, geforscht, getanzt, gelaufen, gebastelt und, wie sollte es anders sein am Kuba, gerudert. Um die Schüler:innen fit zu machen für ihre Blattmacher-Aufgaben, vor denen sie nun stehen, hat man sich zu Beginn etwas ganz Besonderes für sie ausgedacht: Neben den journalistischen Basics gibt es gleich zwei Gespräche mit waschechten Journalist:innen. Und die Fragen, die die jungen Nachwuchstalente stellen, können sich hören lassen. Souverän anmoderiert von engagierten Schüler:innen, die kein Lampenfieber zu kennen scheinen, geht es gleich an die großen Problematiken der Praxis. Wie man mit einem Interviewpartner umzugehen habe, wird etwa gefragt. Worauf es ankomme in einem solchen Gespräch. Wie man am besten transkribiert, wie gute Reportagen entstehen, was eine spannende Einleitung ausmacht (eine Frage, bei der Herr Peifer, sehr zur Freude der Kids, überraschend erfinderisch wird). Und, so wird schließlich nachgehakt, was muss man als Journalist:in eigentlich auf jeden Fall mitbringen?

Die Antwort auf letztere Frage lautet: Kreativität, Skepsis, Flexibilität und eine Brise Selbstbewusstsein. Und als die frischernannten Kuba-Reporter:innen, allesamt ausgestattet mit ihren eigenen Presseausweisen, endlich auseinander stieben dürfen, tragen sie genau diese Attribute bereits zur Schau, als seien sie alte Profis. Mutig stürzen sie sich hinein ins Getümmel, bewaffnet mit Handykameras, Mikrofonen, Schreibutensilien und – unabdinglich in diesem Metier – messerscharfer Beobachtungsgabe. Dabei werden mehr als bloße Artikel verfasst, die die altbekannten W-Fragen abhandeln. Es werden Interviews geführt und verfilmt, Instagram-Beiträge erstellt, Fotocollagen angefertigt und sogar hochprofessionelle Podcasts produziert. Bereits am zweiten Tag summt die eigens eingerichtete Redaktion im Informatikraum wie ein geschäftiger Bienenstock.

Die Ergebnisse, die ebenso bunt und unterschiedlich sind wie die zahlreichen Projekte selbst, können sich durchaus sehen lassen. Mit viel Liebe zum Detail eingepflegt auf eigens eingerichteten Internetseiten, werden sie zum Zeugnis für die Vielseitigkeit des Kurfürst-Balduin-Gymnasiums – und für die Talente seiner Schüler:innen. Darauf darf nicht nur das Kollegium stolz sein, sondern ebenso rückkehrende Alumni. Diese finden im Jahr 2023 entweder im Rahmen der Projektwoche ihren Weg zurück nach Hause oder spätestens mit dem Schulfest, das gleichermaßen ihren Höhepunkt und ihr Ende markiert. Vielleicht, so wird eine der zum Gespräch eingeladenen Journalistinnen später überlegen, hätte sie den Schüler:innen vor diesem Hintergrund noch einen Gedanken mit auf den Weg geben können: Dass die Werke, die sie in diesen Sommertagen schaffen, Erinnerungen werden können für den Rest ihres Lebens. Denn dies ist sowohl Aufgabe als auch Gabe des Journalismus – Ereignisse festzuhalten, deren Geschichten später Türen öffnen können in die Vergangenheit.